Es ist Ramadan und unser ALEX-Volontär Ahmad Wali Temori fastet. Ist das nicht furchtbar schwer? Allein diese Frage hört er sehr oft. Ein Erlebnisbericht.
Die Sonne ist gerade untergegangen und mein Tag fängt endlich an. Es ist Ramadan und ich kann die erste Mahlzeit des Tages zu mir nehmen. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang darf ich nichts essen – und auch nichts trinken. 30 Tage insgesamt, ich habe es fast hinter mir. „Ahmad, wie schaffst du das nur mit dem Ramadan“, ist das, was ich von vielen Freunden*innen in Deutschland zu hören bekomme. Man schafft das schon, antworte ich dann immer. Klar, es ist anstrengend und ich habe Hunger und vor allem: Ich bin sehr müde.
In Afghanistan haben wir im Ramadan-Monat immer Mittagsschlaf gemacht und der fehlt mir hier echt. Deswegen fühle ich mich auf der Arbeit oft sehr müde. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, dann habe ich keine Lust mehr, was zu kochen und muss mich immer an meine Mutter erinnern. Sie hat immer sehr lecker gekocht. Oft gab es Reis mit Fleisch, das vermisse ich sehr. Jetzt muss ich selber kochen und dazu habe ich keine große Lust, denn viel lieber möchte ich schlafen.
Manchmal gehe ich in die Moschee zum Essen oder rufe einen Freund an und wir kochen gemeinsam – typisch afghanisches Essen, wie zum Beispiel: Qabile Palu, Manto, Aschak, Bulanie… Salat muss auf jeden Fall immer auf dem Teller sein, sowie Brot und Joghurt.
Heute habe ich mir vorgenommen selber zu kochen: schwarze Aubergine mit Tomaten und Zwiebeln, viele Gewürze dazu. Und natürlich dürfen dann meine Freunde auch nicht fehlen. Nach dem Essen trinken wir Tee – und dann essen wir wieder. Und kurz vor der Morgendämmerung stehe ich noch einmal auf und nasche Reis.
Viele meiner Kolleg*innen sagen mir, dass der Ramadan ungesund sei. Aber wenn man krank ist oder reisen möchte, kann man den Ramadan verschieben oder nicht machen. Sowie ich in den nächsten vier Tagen: Ich reise nach Straßburg und werde essen und trinken – darauf freue ich mich schon sehr. Aber während am 14. Juni für viele der Ramadan zu Ende sein wird, muss ich dann vier Tage weiter fasten.
Autor: Ahmad Wali Temori
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