Pussy Riot eröffnet die Veranstaltung No!Music im Haus der Kulturen der Welt. Ein politischer Rundumschlag mit viel Grrrl-Power.
Konfrontation. Fünf Minuten lang. In einem orangenen Strafanzug steht Nadya Tolokonnikowa (Pussy Riot) auf der verdunkelten Bühne hinter einem DJ-Pult, geschmückt mit der russischen Flagge und bedient von einem DJ, versteckt hinter einer Vogelmaske. Sie bewegt ihren Mund zu eingespielten Sätzen über Eigenverantwortung und Bedeutungslosigkeit – „Our greatest enemy is apathie“.
Rund 1000 Menschen, die im Auditorium des Haus der Kulturen der Welt behaglich in grünen Kinosesseln sitzen und Bier und Weißwein trinken, hat Pussy-Riot-Mitglied Tolokonnikowa vor sich. Es ist wohl Neugierde als auch kulturelle und politische Bildung, die die Zuschauer*innen zum Konzert gezogen hat. Mit eindringlichen Worten wie „Don’t take yourself too serious“ schließt sie ihre Rede. Darauf folgen ihre Pussy-Riot-Kolleginnen in blauen Anzügen, pinken Bobs und Manga-Augen auf die Bühne.
In einer knappen Stunde performen Pussy Riot einen Rundumschlag, der von den politischen und gesellschaftlichen Zuständen in Russland über die Misere Trump bis zur Rolle der Frau reicht. Gepaart wird dies mit Clubeats, Electro und eingängigen Punkrock. Manche der Zuschauer*innen halten sich die Ohren zu, andere wiederum stehen auf und tanzen.
Mit ihrer regierungs- und kirchenkritischen Haltung erreicht das Aktivistinnenkollektiv inzwischen ein breites Publikum. Bekannt wurden sie spätestens 2012, als sie weniger eingängige Musik spielten und mehr gegen Putin protestierten und ein Punk-Gebet in Moskaus Christ-Erlöser-Kathedrale inszenierten, mit dem sie die Allianz von Kirche und Staat anprangerten. Nadeschda Tolokonnikowa, Marija Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch wurden daraufhin festgenommen. 2013 kam auch die letzte von ihnen frei.
Und auch diese Geschichte spiegelt sich in der Perfomance im Haus der Kulturen der Welt. Die drei Frauen schreien „I love Russia, I’m a Patriot“, während sie im Gleichschritt über die Bühne gehen, ihre Hintern versohlen und ihre Strafanzüge bis zur Hälfte ausziehen. Schließlich wird Donald Trump auf der Leinwand eingespielt. Zum einjährigen Jubiläum des Wahlsiegs veröffentlichte die Band am 08. November den Song „Police State“. „Ich bin so glücklich, ich möchte weinen“, singen die Musikerinnen im Refrain während sie mit Schlagstöcken auf sich einschlagen. Die Message ist nicht schwer zu verstehen.
Auf Facebook schreibt die Gruppe zu ihrem neuen Song: „Putin will not disappear tomorrow, but we can show our fellow Russians how corrupted, damaging and ineffective his rule is. If everybody who denounced Trump on social media showed up on the streets and refuse to leave until he’s gone, he’d be out of office in a week. What it takes is just to abandon our learned helplessness.”
Am Ende geht es nicht um „Grab them by the pussy“ sondern um „Put your vagina on the table“. Was für ein Ohrwurm! Und das, was von diesem Konzert hängen bleibt: Eindringliche Botschaften gekoppelt mit viel Grrrl-Power.
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