Die Oscars 2017 sind dieses Jahr besonder spannend, denn mit „Toni Erdmann“ von Maren Ade ist seit 2010 erstmals wieder ein deutscher Film im Rennen.
Wenn in Berlin die Karnevalisten im Jahresturnus auf die Straßen gehen, dann ist in Hollywood auch wieder die Zeit der „Academy Awards“ gekommen. Ersteres ist natürlich Quatsch. Die Zeiten im Zeichen des Glamour allerdings sind wieder da. Und da müssen wir Berliner nach der Berlinale natürlich gen Hollywood blicken. In diesen politischen Zeiten kein Blick den viele gerne wagen.
Die Oscars, oder weniger umgangssprachlich: Academy Award of Merit, werden in diesem Jahr zum 89. Mal von der US-amerikanischen Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMAPS), verliehen. Die Moderation übernimmt in diesem Jahr Late Night Host Jimmy Kimmel. Er wird seine Sache in den nächste Stunden sehr gut machen — bis auf einen der größten Fauxpas der 89-jährigen Oscar-Historie…
Mein Wecker klingelt pünktlich, aber zu einer inhumanen Zeit. 0:30 Uhr. Klar schlafe ich vor, um diesen Award-Marathon zu überstehen. Auch wir schauen in dieser Nacht rüber zu Pro7 , ist der Sender wie jedes Jahr die deutsche Fernsehinstanz am „Red Carpet“ von Hollywood. Und natürlich darf dann auch Steven Gätjen nicht fehlen. Unser deutscher „Mister Hollywood“, himself. Schon seit über einer Stunde wird gesendet. Vorberichterstattungen, Film-Trailer, Wetter aus Los Angeles. Das übliche Programm. Die Zeremonie des Academy Awards beginnt um 2:30 Uhr, unserer Zeit. Zwei Stunden Live-Unterhaltung vom Rande des Roten Teppiches liegen jetzt vor uns, bis es in den 24 Kategorien um die begehrteste Film-Trophäe der Welt geht.
Steven Gätjen ist aber nicht allein. Scott „Scotty“ Orlin steht unserem „Mister Hollywood“ als Wingman zur Seite. Er kennt so gut wie jeden in Hollywood, der sich für wichtig hält und zieht damit sehr hochkarätige Gäste vor die „Germany-Cam“, wie Moderator Gätjen sie nennt. Justin Timberlake grüßt dabei seine deutschen Fans, sogar auf Deutsch. Er ist in diesem Jahr für den „Besten Song“ nominiert, mit seinem Sommer-Gute-Laune-Hit „Can’t Stop The Feeling“ aus dem Animationsfilm „Trolls“.
Und dann stehen SIE vor der Kamera. Maren Ade und „ihre“ Schauspielerin Sandra Hüller. Nur wegen Ihnen verfolgen wir diese Nacht bis zum Ende. Maren Ade hat es mit ihrer Vater-Tochter-Komödie „Toni Erdmann“ unter die Nominierten in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ geschafft. Welch ein Erfolg das schon ist, scheinen die beiden nicht zu realisieren. Wie auch, bei diesem unglaublichen Trubel, der vor der Kamera auf dem Roten Teppich herrscht. Aber sie sagt, sie sei froh, mit den Oscars einen Abschluss für ihr Filmprojekt zu finden, für den sie schon im Jahr 2012 anfing zu schreiben. Natürlich unter der Sonne Los Angeles‚. Sandra Hüller, die als Hauptdarstellerin die einzige Begleitung der Regisseurin sein darf, (Mehr sind nicht erlaubt – Platzprobleme) freut sich sichtlich auf den Abend. Wirkt aber auch etwas angespannt.
Es folgen noch Casey Affleck, Bruder von Ben Affleck und verdient als Bester Hauptdarsteller nominiert und selbst Nicole Kidman, wird irgendwie von Scotty, für ein sehr kurzes Statement vor die deutsche Kamera gelockt. Jetzt kann es wirklich losgehen. Wären da nicht die Unterbrechungen von Michael Michalsky und Viviane Geppert, die von der sogenannten Fashion-Brücke die Outfit der Stars beurteilen. Harmonie und Spontaneität vor der Kamera sehen anders aus.
Wie schon angekündigt, gelingt dem US-Talkmaster Jimmy Kimmel ein sehr gelungener Start. Lustig und natürlich mit scharfer Kritik in Richtung Weißes Haus, Washington. Diese teils sehr lustige Kritik zieht sich durch den Abend. Auch Matt Damon wird seinen Buhmann-Status gegenüber des Moderators den ganzen Abend nicht mehr los. Dem Publikum im Saal und zu Hause scheint das zu gefallen.
Die Macher des Abends haben sich auch wirklich was einfallen lassen. Süßigkeiten fallen per Mini-Fallschirme von der Decke, eine Touristen-Truppe wird, anstatt durch die Hollywood-Hills, direkt in den Zeremonie-Saal geführt. Wo keine geringeren Persönlichkeiten als Ryan Gosling, Meryl Streep, Denzel Washington die ahnungslosen Touristen persönlich begrüßen, Fotos machen und ein Paar sogar zu Mann-und-Frau erklären. DAS sind die Oscars 2017.
Tief in der Nacht wird es für uns dann spannend. Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“. And the Oscar goes to… NEIN. Nicht Toni Erdmann. Der iranische Regisseur Asghar Farhadi bekommt stattdessen für seine Beziehungsdrama „The Salesman“ den Academy Award. Er selbst ist aus Protest gegen Donald Trump nicht angereist. Verständlich. Hm. Na gut. Kein Oscar für die Wahl-Berlinerin Maren Ade. Über zu wenig Erfolg mit dem Film darf und wird sich auch keiner beschweren.
Die weiteren Kategorien fliegen dann so dahin. Viel La La Land. Bis es kurz vor Ende, nach 6:00 Uhr, mitteleuropäischer Zeit, zum Eklat kommt. Letzte Kategorie. „Bester Film“. And the Oscar goes to… La La Land. Riesenfreude beim gesamten Team. Dankesrede. Und auf einmal Nervosität auf der gefüllten Bühne. Der Gewinner ist Moonlight. NICHT La La Land. Ich habe erst mit einer Inszenierung gerechnet.
Aber es ist wohl der größte Fauxpas in der Geschichte der Oscars. Gute Nacht.
Alle Gewinner sind hier nachzulesen: Gewinner 89. Academy Awards
Text: Marvin Jäger
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