Nyimas Bantaba - Ein Ort für Migration und Frauenpower

Mit ihrer Sendung „Nyimas Bantaba“ gibt Nyima Jadama Migrant:innen und Geflüchteten seit 2020 einen sicheren Ort, an dem sie ihre Probleme äußern und sich in die Gesellschaft einbringen können. Nun ist ein Podcast hinzugekommen. Doch wer ist die Journalistin hinter den Sendungen?

Am Abend des 13. Juli 2023 steht Nyima Jadama in der Galiläakirche in Berlin Friedrichshain. Gerade wurde ihr der Silvio-Meier-Preis vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg verliehen. Mit dem Preis werden Menschen und Vereine für ihr Engagement gegen Rassismus, Ausgrenzung, Diskriminierung und Rechtsextremismus ausgezeichnet. Nun steht die 30-Jährige mit der Urkunde im Arm am Mikrofon. „Wenn ich [vor 2016] in Gambia wäre, würde mir nicht mit einem solchen Preis gedankt werden, sondern ich würde entweder verhaftet oder umgebracht werden oder einfach verschwinden.“

Mit dem mabb-Volontariat fing alles an

Die Journalistin floh 2015 vor der Diktatur in Gambia nach Deutschland. Nach gerade einmal zweieinhalb Jahren, bewarb Nyima sich für das Integrationsvolontariat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg bei ALEX Berlin. Diesen Schritt hatte Nyima sich zunächst gar nicht getraut. „Es gab so viele Voraussetzungen“, erzählt sie. Dazu zählte etwa eine Aufenthaltsgenehmigung, die sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht hatte. Deswegen hatte Nyima zunächst große Bedenken, ob sie überhaupt eine Chance auf den Ausbildungsplatz haben könnte. Doch einen entscheidenden Vorteil brachte sie mit: Nyima war schon vor ihrem Volontariat journalistisch tätig, da sie als Medienpädagogin und Moderatorin in Freiburg arbeitete.

Nyima Jadama schloss ihr mabb-Volontariat bei ALEX Berlin erfolgreich ab. Inzwischen ist sie Moderatorin ihrer eigenen Sendung.

Was bedeutet „Bantaba“?

Nach ihrem Volontariat ergatterte Nyima in Leipzig ein Journalismus-Stipendium. In diesem Rahmen entstand auch ihre erste eigene Sendung „Nyimas Bantaba“. Die Talk-Show wird monatlich bei ALEX Berlin produziert. Nyima verrät, dass das Wort „Bantaba“ aus ihrer Heimatsprache Mandinka, was in Westafrika gesprochen wird, stammt. Sie erklärt weiter, dass Bantaba ein großer Baum sei, unter dem sich die Gemeinschaft in Gambia versammelt, um über die Anliegen der Gesellschaft zu sprechen. Genau einen solchen Ort wollte sie mit ihrer Sendung schaffen, in der über Kultur, Migration und Empowerment gesprochen wird. Gäst:innen sind dementsprechend Menschen, die sich in den Bereichen engagieren.

Mit Migrant*innen über Migration sprechen – nicht ohne sie

Nyima verfolgt mit ihrer Sendung ein klares Ziel: Es soll mit Migrant:innen über Migration gesprochen werden – und nicht ohne sie, wie es häufig in den Meiden gehandhabt wird. Seit Ende 2020 bietet „Nyimas Bantaba“ eine Bühne für Geflüchtete und Migrant:innen, auf der sie gehört werden. Es soll ein sicherer Ort sein, an dem Menschen ohne Angst ihre Probleme äußern können. Die Themen reichen von sinnvoller Beteiligung von Geflüchteten über Hassrede gegen Migrant:innen bis zu deutscher Musik auf dem westafrikanischen Instrument Kora. Nyima versucht, Migrant:innen eine Stimme und einen Platz in der Gesellschaft zu geben. „Ich glaube, dass dieser Platz noch fehlt“, führt sie an. Bislang gebe es noch nicht viele Migrant:innen, die in den Medien tätig sind. Das liege laut Nyima daran, dass diese Personen oft nicht über genug Bildung verfügen oder bürokratische Hürden ihnen den Weg verbauen.

Für den Abbau dieser Hürden hat Nyima die „Bantaba Academy“ geschaffen. In den monatlichen Treffen gibt sie ihr Wissen an Geflüchtete weiter und unterstützt sie dabei, auch in Deutschland als Journalist:innen arbeiten zu können. „Medien liegen mir am Herzen“, erklärt Nyima. Außerdem sind ihr die Themen, die in der Sendung behandelt werden, wichtig. Es sei ihr ein großes Anliegen, die Stimme von Migrant:innen sowie Vielfältigkeit in die Medien zu bekommen. Das passiere nämlich noch viel zu wenig, findet sie. Aus diesem Grund arbeitet sie mit viel Leidenschaft an ihrer Sendung. Nach knapp drei Jahren „Nyimas Bantaba“ kam im September 2023 auch der Podcast „Unfiltered Bantaba“ hinzu. In einem lockereren Umfeld sprechen hier Gäst:innen über Projekte und Geschichten, die ihnen wichtig sind – etwa über das Ankommen in Deutschland.

Wie viele Leben hat Nyima Jadama eigentlich?

Neben ihrer journalistischen Arbeit war sie u.a. für Gangway e.V. als Sozialarbeiterin tätig und setzte sich dort für die Unterstützung von Migrant:innen, Geflüchteten und Obdachlosen ein. Daneben initiierte sie den jährlich stattfindenden "Görli Jam“ im Görlitzer Park sowie gemeinsam mit YAAM das „Kids Bantaba“ mit. Seit 2021 ist sie zudem beim „High Level Official Meeting (HLOM)“ in Genf als Flüchtlingsberaterin für die deutsche Regierung tätig – als erste Person mit eigener Fluchterfahrung. Zudem engagiert sie sich als Aktivistin bei der European Coalition of Migrants and Refugee und dem Global Refugee Led Network.

Wie sie all diese Aufgaben in ihrem Alltag unterbringt? Das weiß Niyma selbst nicht genau. „Erst letztens wurde ich von einer Freundin gefragt, wie viele Leben ich habe“, erzählt sie lachend.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zeichnete Nyima Jadama und den Verein Peace Train mit dem Silvio-Meier-Preis aus.

Zurück am Mikrofon in der Galiläakirche in Friedrichshain. Ein Preis, wie der Silvio-Meier-Preis, macht Nyimas Arbeit nicht nur sichtbar, er würdigt vor allem ihr unermüdliches Engagement sich für Migrant:innen und Menschen mit Fluchterfahrung einzusetzen. Viele Unterstützer:innen von Nyima Jadama sind gekommen, um diesen Preis mit ihr zu feiern. „Dieser Preis ist eigentlich nicht für mich sondern für diejenigen, für die ich kämpfe, diejenigen, denen jeden Tag Rassismus und Diskriminierung begegnet, die marginalisierten Leute, die Geflüchteten, die keine Stimme haben wie ich. Ich habe einen Raum geschaffen. Wenn ich diesen Raum schaffen kann, glaube ich, kann jeder diesen Raum schaffen.“

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