Das Kurzfilmfestival interfilm Berlin schmücken eine Menge attraktive Prädikate: Zweitgrößtes Filmfestival nach der Berlinale und das drittälteste in Berlin. Dieses Jahr ist es sogar Academy Qualifying® Festival. Wir haben die neun Highlights des facettenreichen Festivals für euch zusammen getragen.
Im legendären wilden Westen der Berliner 1980er wurde das Kurzfilmfestival interfilm in den vier Wänden eines besetzten Hauses in Kreuzberg gegründet und als Super-8 – und Performance-Festival veranstaltet. Das zum 34. Mal stattfindende Event hat nicht nur schon wenige Jahre später Einzug gehalten in einen der kultur- und polithistorisch wichtigsten Plätze der Hauptstadt – die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz – sondern auch an internationaler Strahlkraft gewonnen. Jedes Jahr werden aus ca. 140 Ländern etwa 6000 Kurzfilme eingereicht, von denen es rund 10% in die 50 verschiedenen Programme des Festivals schaffen. Dieses Jahr ist das drittälteste Filmfestival Berlins sogar zum Academy Qualifying® Festival ernannt. Die Gewinnerfilme aus dem internationalen Wettbewerb haben so die Chance auf eine Oscarnominierung. „Das ist schon ein kleiner Ritterschlag“, finden Kuratorin Andrea Schwemmer und Festivalgründer Heinz Hermanns.
Das interfilm hat seinen Besucher*innen neben dem internationalen Wettbewerb aber schon immer ein so schillerndes Potpourri aus facettenreichen Sektionen, spannenden Talks und spaßigen Events geboten, dass ihnen fast schwindelig wird. Damit genau das nicht passiert, haben wir euch die neun Highlights des Kurzfilmfestivals interfilm Berlin 2018 herausgesucht.
Jedes Jahr bereisen die Kurator*innen des interfilm Festivals die Welt und schauen sich in den Kurzfilmlandschaften verschiedener Länder an, bauen Netzwerke für Festivals und Filmermacher*innen auf und präsentieren im Rahmen von interfilm ihre Highlights aus einem Fokusland. Dieses Jahr ist das Land, in dem wohl spätestens seit der Erfolgsserie Narcos wieder der europäische Tourismus boomt: Kolumbien. In vier verschiedenen Programmen werden Filme gezeigt, die den Wandel der Gesellschaft beschreiben oder sich die Frage stellen, welche Rolle politische Veränderungen für das Chaos im Leben der Jugend spielt. Filme, die das schnelle Leben in der Metropole zeigen oder die Zuschauer*innen mit den Problemen ruraler Gebiete konfrontieren. Stets mit dem sehr persönlichen Blick der Filmemacher*innen wird mit Vorurteilen aufgeräumt, die Europäer*innen von Kolumbien haben und das Gefühl gezeigt, dass das Land derzeit bestimmt. Die Filmemacher*innen sind ebenfalls als Gäste zum Festival eingeladen und geben in Talks im Rahmen von interforum reelle Einblicke in das Leben in Kolumbien.
COL 01 FOCUS ON: COLOMBIA – Unexpected Perspectives
22.11.18, 21:00h, Babylon 2
24.11.18, 21:00h, ACUD Kino
25.11.18, 19:00h, Volksbühne 3. Stock
COL 02 FOCUS ON: COLOMBIA – Off the Main Road
21.11.18, 19:00h, ACUD Kino
23.11.18, 17:00h, Babylon 2
24.11.18, 20:00h, Babylon 3
COL 03 FOCUS ON: COLOMBIA – Between Routine and Chaos
21.11.18, 20:00h, Babylon 3
22.11.18, 22:00h, Rollberg Kino
23.11.18, 21:00h, Volksbühne 3. Stock
COL 04 FOCUS ON: COLOMBIA – Looking back: Luis Ospina & Carlos Mayolo
22.11.18, 18:00h, Rollberg Kino
24.11.18, 21:00h, Babylon 2
Interfilm Berlin ist mit 38 weiteren Filmfestivals aus 33 Ländern Mitglied des Green Film Network, einem Netzwerk, das den Austausch von Filmfestivals fördert, die sich verstärkt mit Umweltthemen auseinandersetzen. Seit 2010 bietet interfilm Programme an, in denen nicht nur deprimierende sondern durchaus unterhaltsame Kurzfilme – Animationen, Dokumentationen, in Spielfilmen, Komödien und Tragödien – zeigen, welchen Einfluss die menschliche Profitgier am Artensterben, an Regenwaldrodung und der Veränderung des Klimas hat.
21.11.18, 15:00h, Babylon 2
23.11.18, 19:00h, Babylon 2
21.11.18, 19:30h, Zeiss-Großplanetarium Kino
23.11.18, 15:00h, Babylon 2
Sogar die US-Amerikanische Dokumentrafilmemacherin Laura Poitras, die mit ihrem Film über Edward Snowden 2015 einen Oscar gewann, ist mit einem Kurzfilm in der Sektion Big Date vertreten. Was die Digitalisierung der Welt und die Überwachung ihrer Gesellschaften mit uns macht, wird nicht nur in einem filmischen Programm gezeigt. Im Rahmen von interforum – das Fachprogramm von interfilm, bei dem Talks und Workshops stattfinden – wird ein von interfilm in Zusammenarbeit mit Mozilla kuratiertes Panel stattfinden. In einem Gespräch werden Filmemacher*innen gemeinsam mit Solana Larsen, Herausgeberin des Mozilla Internet Health Report und Ingo Dachwitz, Redakteur bei netzpolitik.org und Mitglied beim Verein Digitale Gesellschaft über die Frage, was sich seit den Leaks von Snowden im Sommer 2013 in unserer Gesellschaft getan hat und was das Ende unsere Privatsphäre bedeuten könnte.
22.11.18, 18:00h, Babylon 3
24.11.18, 19:30h, Zeiss-Großplanetarium Kino
25.11.18, 21:00h, Volksbühne 3. Stock
Panel
22.11.18, 21:00 Uhr, Volksbühne Roter Salon
interfilm Berlin bietet auch den jungen Zuschauer*innen ein facettenreiches Programm. Neben dem interfilm selbst gibt es in der gleichen Spielwoche auch das KUKI, das Internationale Kurzfilmfestival für Kinder und Jugendliche Berlin – dazu in Punkt fünf mehr. Einige Kurzfilme aus dem Jugendprogramm laufen auch bei interfilm. Das besondere an Girl’s Riot: Teenage Screen ist, dass Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren das Programm eigenständig kuratiert haben und damit die Perspektiven, die ihren Lebensrealitäten am nächsten kommen, selbst zusammenstellen. Dabei sind hochpolitische Filme über Rassismus, über Schönheitsideale, über weibliche Rollenbilder und die Frage nach Subjekt und Objekt. Am Donnerstag um 22.00 Uhr gibt es nach der ersten Vorführung des Filmblocks einen Talk im Rahmen von interforum mit den jungen Korator*innen im 3. Stock der Volksbühne.
SP 13 Girls‘ Riot! TeenScreen – guest program
22.11.18, 18:00h, Volksbühne 3. Stock
22.11.18., 22:00 Uhr: Film Talk im 3. Stock der Volksbühne
25.11.18, 18:00h, Babylon 3
Seit 2008 bietet das KUKI ein perspektivreiches Festivalprogramm für Kinder und Jugendliche und scheut sich dabei nicht vor politischen und gesellschaftsrelevanten Themen wie Umweltschutz oder Feminismus. Auch Filme auf Spanisch oder Französisch werden gezeigt. Bei all dem können auch Schulen miteinbezogen und Lehrkräften Lernmaterialen zu den Programmen zur Verfügung gestellt werden, damit diese anschließend mit den Inhalten aus den Filmen arbeiten können. Mehr Infos zu KUKI findet ihr hier.
Das interforum ist das Sahnehäubchen für alle, die sich nicht nur in dunklen Kinosälen von fantastischen Geschichten berieseln lassen möchten, sondern auch die Filmermacher*innen und die Geschichten hinter den Geschichten kennen lernen möchten. In sogenannten Masterclasses können sich zukünftige Filmermacher*innen von Expert*innen aus der Branche Insiderwissen abholen zu verschiedenen Arten und Weisen des filmischen und musikalischen Storytellings oder auch Fragen rund um Marketing. Bei den Filmtalks sprechen Kurator*innen über die Auswahl der Filme, die nach Berlin eingeladenen Kolumbianischen Filmermacher*inne sprechen über ihre Filme und das Leben in ihrem Land und der Lead Animator von Wes Andersons „Ilse of Dog“ spricht über die Kunst der Animationsfilmes. Bei interforum gibt es also viel zu lernen, aber auch zu entdecken. Es werden anhand von gruseligen Besipielen neue Möglichkeiten des VR-Storytellings aufgezeigt und es gibt natürlich eine ganze Hand von Networking-Events, bei denen man mit anderen Filmemacher*innen in spannende Gespräche kommen kann. Was es alles beim interforum zu entdecken gibt, findet ihr auf der Website.
„Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren”, hat einst die weltberühmte Choreografin Pina Bausch gesagt. Für Festivalgründer Heinz Hermanns gehörten Tanz und Performances schon seit den Anfängen zum Programm seines Festivals dazu. Tanz kann ein subversiver Akt der Befreiung sein und ebenso wie Film Geschichten und Emotionen erzählen. Darum sind Tanz und Performance stets Teil von interfilm und wird in der Sektion „Body Talk“ filmisch verarbeitet. Das Besondere daran ist, dass es diesmal auch Filme in 3D gibt.

Hands On: Ein Kurzfilm, der sich mit der Frage auseinandersetzt, was passiert, wenn man ein Blind-Date wörtlich nimmt.
SP 04 Body Talk – Dance & Choreography Shorts
23.11.18, 20:00h, Il Kino
24.11.18, 21:00h, Volksbühne 3. Stock
Ein absolutes Event-Highlight findet am Donnerstag in der Volksbühne statt. Ein futuristischer Stummfilm mit Live-Vertonung (Drums, Cello, Synthesizer und Gesang) erzählt die Geschichte eines Roboters, der im postapokalyptischen Berlin auf der Suche nach Mitstreiter*innen ist, die mit ihm die Welt vor der absoluten Zerstörung retten sollen.
22.11.18, 21:00h, Volksbühne
Von Samstag auf Sonntag um 0:00 Uhr gibt es wie jedes Jahr das traditionelle Summfilm-Programm mit live Vertonung von der Orgel im Kino Babylon, die die einzige Orgel in ganz Europa ist, die noch in ihrem Originalkino steht und nach einer Restaurierung sogar spielbar ist. Für das ganz besondere Kinoerlebnis zwischen Nostalgie und Moderne muss man nicht mal tief in die Tasche greifen, denn das Programm ist kostenlos für Jedermensch zugänglich.
SP 11 Short & Silent – NULL UHR – NULL EURO SILENT MOVIES AT MIDNIGHT FOR FREE
24.11.18, 23:59h, Babylon 1
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