30 Jahre Karneval der Kulturen: Alle Infos zum Straßenumzug in Berlin 2026

Vor 30 Jahren wurde der Karneval der Kulturen in Berlin als Reaktion auf Rassismus und Ausgrenzung ins Leben gerufen. Bis heute steht das Festival für Vielfalt, Offenheit und Kreativität. Anlässlich des Jubiläums dieses Jahr wird vom 13.-26. Mai die Ausstellung „Vom Sehen und Gesehenwerden – 30 Jahre Karneval der Kulturen“ im Kulturquartier Bethanien gezeigt. Worum es darin konkret geht, sowie alle weiteren Infos, Neuigkeiten, Herausforderungen rund um das Event findet ihr hier.

 

Seit drei Jahrzehnten bringt der Karneval der Kulturen jedes Jahr zu Pfingsten die kulturelle Vielfalt Berlins sichtbar, hörbar und erlebbar auf die Straßen - mit Musik, Tanz, Kunst, politischem Ausdruck und Begegnungen.

Dabei war der Karneval der Kulturen nie nur ein Straßenfest, sondern seit seiner Gründung 1996 auch politisches Statement. Er war die Antwort auf die massive rechtsextremistische Gewalt in den 90er Jahren, insbesondere auf die rassistischen Übergriffe in Rostock-Lichtenhagen 1992. Der Karneval diente als Ort der Befreiung und ermutigte viele marginalisierte Menschen dazu mit ihren Körpern Raum einzunehmen, sich die Straßen zurückzuerobern und im Mittelpunkt des öffentlichen Lebens sichtbar zu werden. Daran hat sich bis heute nicht viel verändert.

Seit 1996 mit Kunst und Kultur gegen Diskriminierung

Auch wenn sich der Karneval der Kulturen über die Jahre zu einer einzigartigen Plattform für Begegnung und kulturelle Selbstermächtigung weiterentwickelt hat und heute zu einer größten interkulturellen Festivals Europas zählt, so sind die Beweggründe auf die Straße zu gehen gleichgeblieben. Das betont auch Kdk-Veranstalterin Anna-Maria Seifert „wir kommen zusammen, wir stehen zusammen, jede:r individuell als Gruppe auch für seine eigenen Themen und dennoch stehen wir für dieselben Werte ein – für Teilhabe, Sichtbarkeit und Anerkennung ihrer Kunst“.

Denn der Kampf um Sichtbarkeit und gegen Rassismus ist noch lange nicht beendet. Viele der Gruppen und Communities, die am Karneval der Kulturen teilnehmen erhalten noch immer viel zu wenig Gehör für ihre Themen.

Programm und Neuheiten zum Jubiläum 2026

Auch in diesem Jahr sind 67 Gruppen vertreten, die vier Tage lang mit Kunst und Kreativität klar, laut und bunt für Nachhaltigkeit, Empowerment, Antirassismus, Klima, Frieden, Diversität und gesellschaftlichem Zusammenhalt einstehen und dabei eine offene Gesellschaft zelebrieren, die die Vielfalt Berlins und darüber hinaus widerspiegeln.

Egal ob beim Kinderkarneval am Pfingstsamstag (23.Mai), beim Straßenfest rund um den Blücherplatz (22.-25.Mai) oder den großen Karneval der Kulturen Umzug am Pfingstsonntag (24.Mai) – auch in diesem Jahr erwartet die Besucher:innen wieder ein vielfältiges Programm!

Seit 1996 ist der Karneval der Kulturen nicht nur Straßenfest, sondern auch politisches Statement. Mit Kunst und Kultur wird auf die Vielfalt Berlins aufmerksam gemacht und sich gegen Rassismus und Diskriminierung positioniert.

So lädt das Straßenfest am Blücherplatz auf mehreren Bühnen zu Theater, Performances und Interaktivem für Groß und Klein ein und bietet an hunderten Stände Kunsthandwerk und Kulinarisches an.

Neu dieses Jahr ist eine Bühne, auf der vorrangig neue und junge Sony Music Künstler:innen für junges Publikum auftreten. Zudem konnten durch Kooperation mit Sponsoren dieses Jahr drei neue Music Corner entstehen, die weiteres Programm liefern.

Auch der Kinderkarneval der Kulturen am Pfingstsamstag steht in den Startlöchern und beginnt um 12:30 Uhr mit dem Kostümumzug und der Kinder-Demo am Mariannenplatz. Unter dem Motto "Viva el Axolotl – forever young!" setzt sich der Kinderkarneval 2026 für die Situation der Axolotl aber auch für die Ausfinanzierung der Kinder- und Jugendarbeit und der politischen Bildung für Kinder und Jugendliche ein.

Am Pfingstsonntag, den 24. Mai startet dann ab ca. 13:30 Uhr der große Karneval der Kulturen Umzug mit insgesamt 67 Gruppen entlang der Frankfurter Allee/Karl-Marx-Allee. Die letzte Gruppe wird gegen 19 Uhr starten. Am Kino Kosmos wird wieder eine Jury-Tribüne aufgebaut sein, an der die 90-sekündigen Performances der Gruppen entsprechend bewertet werden.

Auch ALEX Berlin wird in diesem Jahr am Sonntag wieder vor Ort sein und ab 14 Uhr den gesamten Karnevalsumzug live im TV, auf Facebook, YouTube und im Livestream übertragen. Neben der Parade gibt es spannende Interviews und Kommentare direkt von der Strecke. Auch im Radio läuft ein Karnevals-Special: Radio Kohli kommentiert ebenfalls ab 14 Uhr für 2 Stunden den Umzug und bringt nochmal eine ganz andere Perspektive auf die einzelnen Gruppen, Kostüme und Performances mit. Hier gehts zu den Livestreams: alex-berlin.de/live

Hintergründe zur Ausstellung „Sehen und Gesehenwerden“

Anlässlich des Jubiläums findet vom 13. bis 26. Mai 2026 die Ausstellung „Vom Sehen und Gesehenwerden – 30 Jahre Karneval der Kulturen“ im Künstlerhaus Bethanien statt. Die Ausstellung wurde von Juana Awad kuratiert und versammelt 14 verschiedene künstlerische Positionen, die sich kritisch mit der Frage nach Blickregimen und den Ambivalenzen und Paradoxen des Karnevals auseinandersetzen.

Die Ausstellung wurde von Juana Awad kuratiert (links im Bild).

Einerseits ist er ein befreiender Ort für marginalisierte Stimmen, der Vielfalt und Sichtbarkeit feiert, andererseits eröffnet der Karneval und der Karnevalsumzug allerdings auch einen Raum, an dem Bilder „des Anderen“ produziert werden. So dient er oft auch als Projektionsfläche für exotisierende Begehrlichkeiten, wobei Wünsche und Fantasien auf diejenigen projiziiert werden, die auf der Straße demonstrieren, so die Kuratorin.

 

Die Bühne, die der Karneval bietet, hat demnach Bedingungen. Welche Identitäten werden von außen zugeschrieben? Wer schaut, von wo aus? Und mit welchem Begehren? Welcher Blick baut welche Narrative auf? Wie sehe ich die Kostüme? Wie nimmt das die Person wahr, die gesehen wird? Und was machen diejenigen, die angeschaut werden mit diesem Blick? Diese Fragen und der Aspekt des „Zurschaugestellt werden“ sind Ausgangspunkt der Ausstellung und werden von unterschiedlichen künstlerischen Positionen mit verschiedenen ästhetischen Sprachen verhandelt. Von konzeptioneller Kunst bis hin zum Feierlichen und Humorvollen werden unterschiedliche Layer der Berliner Diasporas gezeigt, die indifferent nebeneinanderstehen.  

 

Zwischen Kürzungen und viel Solidarität - Die Zukunft des Karnevals

Der Karneval der Kulturen gehört zu einer der größten Veranstaltungen in Berlin und zählt jedes Jahr Hundertausende Besucher:innen. Doch, dass das beliebte Berliner Kulturevent auch in diesem Jahr wieder stattfindet, ist nicht selbstverständlich. In den vergangenen Jahren sehen sich die Veranstalterinnen mit vermehrten Herausforderungen konfrontiert.

Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz am 12. Mai 2026 sind noch Spendengelder in Höhe von 79.000 Euro offen. Wie viele Kulturstätte und – Orte in Berlin ist auch der Karneval von den Haushaltskürzungen betroffen und wurde solidarisch gekürzt. Laut Veranstalterin Anna-Maria Seifert fehlte bereits im letzten Jahr Geld für die Finanzierung des Karnevals, dieses Jahr ist die Finanzierung nochmal schwieriger.

Mit Blick auf die Zukunft lasse es sich laut ihr nicht vermeiden, in den nächsten Wochen und Monaten nochmal genauer die Finanzierung zu prüfen, denn so wie der Karneval aktuell finanziert ist, ist es schwierig den KdK auch zukünftig zu realisieren.  

Die Veranstalterinnen des Karnevals der Kulturen Aissatou Binger und Anna-Maria Seifert eröffnen die Pressekonferenz im Kulturquartier Bethanien.

Was Veranstalterin Aissatou Binger aber positiv und sehr dankend hervorhebt, sind die „extrem viele Spender:innen und Sponsor:innen“, die dieses Jahr nicht nur finanziell unterstützt haben, sondern ebenfalls bewiesen hat, welche große Solidarität und Wichtigkeit viele Menschen für den Karneval empfinden.

Trotzdem hoffen die Veranstalterinnen auf noch mehr Spenden. Ein bis zwei Euro pro Person würden dabei laut Seifert schon reichen. Alternativ könne man sich auch noch als Volontär:in bewerben und beim Karnevalsumzug direkt unterstützen.

Tanzende Frauen mit Rasseln und roten Kleidern
Auch der Karneval der Kulturen ist von den Kulturkürzungen betroffen und steht vermehrt vor Herausforderungen.

Eines ist den beiden aber besonders wichtig: Sie wollen weiterhin, dass der Karneval der Kulturen ein niedrigschwelliges Angebot im öffentlichen Raum bleibt.   Barrierebegrenzungen durch Eintritte oder Sonstiges wollen die Veranstalterinnen nicht. Der Karneval der Kulturen soll weiterhin zugänglich bleiben und alle Menschen willkommen heißen. Das sei schon immer der Sinn des Karnevals in Berlin gewesen, „es ist eine Einladung gemeinsam diesen Karneval zu erleben und ihn zu gestalten“, so Aissatou Binger.

Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen, wachsender Unsicherheiten und schrumpfender kultureller Räume bleibt der Karneval der Kulturen ein wichtiges Zeichen für Solidarität, Teilhabe und demokratisches Miteinander.

 

Text: Hanna Körner

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