Darum brauchen wir Jugendprojekte wie Ten Sing 2.0 – CVJM Neukölln

Ten Sing 2.0 ist ein ehrenamtliches musikalisches Jugendprojekt in Berlin Neukölln, das Talente fördert und einen sozialen Raum bietet. Jedes Jahr stellen die Jugendlichen ein Musical auf die Beine und können sich dabei in verschiedenen Bereichen auf und hinter der Bühne ausprobieren. ALEX Autorin Tamina Weilandt hat ein Jahr lang bei dem Musicalprojekt mitgewirkt und berichtet von ihren Erfahrungen.

Nach einem langen Tag in der Berufsschule setzte ich mich in den Zug nach Hause, esse etwas, gehe duschen und falle anschließend in mein Bett. Doch nicht dienstags, da fahre ich mit dem Regio 1,5 Stunden nach Belin rein. Voller Vorfreude warte ich darauf, dass die Lehrerin den Unterricht beendet und ich in die Bahn steigen kann, in der mir meine Freundin schon ein Sitzplatz freihält. Seitdem wir unser Abitur gemacht haben, wohnen wir in unterschiedlichen Städten, doch jeden Dienstag sehen wir uns wieder und bringen uns auf den neusten Stand.

Um 17:30 Uhr kommen wir pünktlich zum Start der Ten Sing Probe in der Kranoldstraße 16 an. Die Musik läuft, die Instrumente stehen und die Gruppe wärmt sich auf. Wir sehen in die lachenden Gesichter, uns wird warm um das Herz und wir wissen, wir sind angekommen.

Das Musicalprojekt Ten Sing

Ten Sing ist ein musikalisches Angebot des CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen), in dem innerhalb eines Schuljahres die Möglichkeit geboten wird, eine Show mit den Elementen Band, Chor, Tanz und Theater auf die Beine zu stellen. Dabei stehen die persönliche und geistliche Entfaltung und Entwicklung jedes einzelnen im Mittelpunkt.

Die letzten Proben für die diesjährige Show laufen. Für ein paar von uns ist es das erste Mal, doch viele sind schon über mehrere Jahre dabei. So hat zum Beispiel der 27-jährige Markus Reichelt mit 11 Jahren seine erste Ten Sing Gruppe aufgesucht und ist nun Teil des ehrenamtlichen Leitungsteams in Neukölln. Genauso wie er haben auch Smilla Braumann und Winona Folté aus dem Leitungsteam als Teenager nach einem musikalischem Jugendangebot gesucht. Nach den ersten Eindrücken und einer so professionellen Performance von ca. 50 Jugendlichen bei einer damaligen Ten Sing Zeuthen Show wie sie es selten von Jugend-Theaterangeboten gesehen haben, wussten sie: "Da will ich hin!".

Alle üben nochmal ihren Text, gehen letzte Tanzschritte durch oder suchen ihre Noten zusammen. Jede einzelne Workshopeinheit aus dem Probejahr hat den Teilnehmenden die Möglichkeit gegeben sich mit ihren Gaben und Ideen einzubringen. Egal ob sie bereits ein Instrument spielen konnten, Vorerfahrungen in den Bereichen Tanz und Theater mitbrachten oder ohne Vorwissen in die Proben gestartet sind, das Leitungsteam vermittelte stehts motivierend und mit Leidenschaft den Inhalt. Und wie man durch so ein Jugendangebot über sich hinauswächst und an Selbstbewusstsein gewinnt, durfte ich im letzten Jahr selbst feststellen. Ohne dass ich jemanden kannte, bin ich im November zu einer der wöchentlichen Ten Sing Proben in Neukölln dazugestoßen und stehe nun hier als eine der Hauptrollen auf der Bühne.

Winona Folté, Tamina Weilandt, Leticia May, Leona Junge auf der Bühne bei Ten Sing

Musik, Tanz und gemeinsam auf der Bühne stehen

Die Musik beginnt zu spielen, der Vorhang fängt an sich zu bewegen und ich frage mich: Treffe ich die hohen Töne in diesem einen Song? Kann ich meine Rolle gut genug verkörpern? Was genau sage ich nochmal in der einen Szene? Ich schaue mich um und sehe in die Gesichter, die mir immer Mut zugeredet haben. In die Gesichter der Personen, die mir gesagt haben, ich kann dass, ich muss mich nur trauen. In die Gesichter meiner Freund:innen. Ich erinnere mich daran, wo wir alle gestartet sind:

Winona wollte am Anfang eigentlich nur in einer Band spielen und musste sich dann erstmal mit den anderen Workshops anfreunden. Sie kann sich heute aber keinen einzigen mehr davon wegdenken, denn sie liebt es, diese im Rahmen eines Musicals zu verbinden. Markus hat durch Ten Sing seine Liebe zur Musik entdeckt und einen seiner wichtigsten sozialen Anker in seiner Jugend gehabt. Miriam konnte dadurch ihr Selbstbewusstsein stärken und entwickelt nun die Choreos der Musicals. Ihre neue Challenge ist es, dieses Selbstvertrauen in ihrem Alltag zu integrieren.

Die Show ist im vollen Gange und ein Zugehörigkeitsgefühl entsteht. Smillas und Miriams Choreos werden voller Elan umgesetzt, die erlernten Chorsätze erklingen harmonisch und die einzelnen Theaterszenen bieten sowohl Stellen zum Lachen als auch zum Nachdenken.

Über den Glauben sprechen

Aufgrund des christlichen Hintergrundes wird in einem Teil des Stückes immer eine Art Andacht eingebaut, die sich aber auch auf gesellschaftliche Themen bezieht, denn für die Teilnahme ist es keine Voraussetzung sich dem christlichen Glauben zugehörig zu fühlen. Mit Ten Sing möchte man Jugendliche und junge Menschen erreichen, die daran Freude haben, gemeinsam zu musizieren und ein mitwirkender Teil einer Show zu sein.

Jedoch sagt beispielsweise Winona, die erst durch den CVJM und die Ten Sing Proben ihren ersten Bezug zu Gott hatte, dass der Fokus auf den Glauben in den letzten Jahren noch stärker in den Hintergrund gerückt ist. Sie vermisst die wöchentlichen Impulse, denn da lernt man auch Dinge für das Leben. Auch das Gemeinschaftsgefühl wächst dadurch, so war und ist Ten Sing für Markus ein Raum in dem frei und unbeschwert über den Glauben sowie persönliche und emotionale Themen gesprochen wurde und werden kann. Mit anderen Worship zu singen ist für ihn eine der schönsten Ausdrucksformen seines Glaubens und macht diesen auch aus. Vielleicht wird das Leitungsteam in Zukunft darauf wieder mehr einen Fokus setzen.

Gemeinsames Musizieren stärkt das Selbstwertgefühl

Der Vorhang schließt sich und der ganze Saal ist am Klatschen, der Stolz in allen Gesichtern kaum zu übersehen. Das Musical war ein voller Erfolg. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schauen wir zurück auf die letzten Wochen, in denen wir neben unserem Alltag, kleinen und großen Herausforderungen und viel Organisation für ein Musical geprobt haben und fühlen uns erleichtert. Doch wir erinnern uns auch daran, weshalb wir Teil des ganzen Projektes sind:

"Seit ich denken kann, mache ich Musik mit anderen Menschen, egal ob im Kinderchor, Orchester, Band oder Musical, zu sehen, was man zusammen schaffen kann und wie toll es am Ende klingt, ist wundervoll." – Smilla

"Ich will eine tolle Show auf die Bühne stellen und einen kleinen Teil leisten, damit Jugendliche eine ähnlich schöne Erfahrung haben, wie ich es in meiner Jugend hatte." – Markus

Das Ensemble von Ten Sing 2.0 bei der Show 2026

"Mir macht es unheimlich viel Spaß und ich denke, dass ich mit meinen Gaben andere Menschen gut unterstützen kann." – Smilla

"Es ist eine Ausflucht aus dem Alltag, einfach mal abschalten, auch wenn es mal stressig werden kann in den Proben, weil man so viel lernen muss. Aber für dieses Gefühl nach einer Show ist es das wert. Dann kann man zurückblicken auf das, was man alles geschafft hat. Zudem hat man einfach regelmäßig Kontakt zu den tollsten Menschen die es gibt, die neben Ten Sing auch immer für einen da sind." – Winona

Ten Sing bietet daher einen Ort, an dem Jugendliche durch Ausprobieren ihre Talente entdecken und ausbauen können. Dabei ist es egal, wie viel Vorerfahrungen sie mitbringen und wie viel Verantwortung sie letztlich übernehmen. Es ist ein Jugendangebot, welches Gemeinschaft und zwischenmenschliche Begegnungen durch gemeinsames Musizieren fördert und Jugendliche dabei sozial auffängt. Dadurch entsteht ein Zugehörigkeitsgefühl und nachhaltige Freundschaften, die sich positiv auf das Selbstwertgefühl aller Mitwirkenden ausüben.

Die nächste Show wird am 10. Oktober 2026 in der Philipp-Melanchthon-Kirche (Kranoldstr. 16, 12051 Berlin) aufgeführt. Falls auch du Teil dieses Projektes sein möchtest, bist du herzlich zu einer der wöchentlich stattfindenden Proben eingeladen. Weitere Informationen zum Projekt gibts auf der Website: CVJM Neukölln - TEN SING 2.0

Lust auf mehr Musical? Hier gibts den Auftritt von Steffi Irmen als Die Amme beim CSD 2024.

Text: Tamina Weilandt, Fotos: Emily Spitznagel

 

 

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