Das Flüchtling Magazin berichtet aus dem Leben von Geflüchteten in Deutschland, gibt hilfreiche Tipps, erzählt persönliche Geschichten und stellt Veranstaltungen zum Thema vor. Redaktionsleiterin Anna Heudorfer erzählt im Interview mehr über die Arbeit am Magazin.
Das Anfang 2017 gegründete Flüchtling Magazin macht sich für Toleranz und Akzeptanz stark. Anna Heudorfer und Hussam Al Zaher berichten gemeinsam mit einem Team ehrenamtlicher Mitarbeiter über die Situation von Flüchtlingen in Deutschland. Sie stellen Fragen, geben Ratschläge und berichten über kulturelle Veranstaltungen. Damit auch Deutsche Zugang zu den Themen und Geschichten der Geflüchteten haben, sind alle Texte auf Deutsch verfasst. Das Magazin soll die Meinungen und Anliegen der Geflüchteten aufzeigen und verstärken. Das Online-Magazin ermöglicht so einen multikulturellen Austausch und gibt mit Ihrer Plattform die Möglichkeit für einen Dialog auf Augenhöhe.
Unsere Kollegen von Media Residents haben sich Anna mal geschnappt und mit ihr im Interview über die Geschichte des Magazins und Möglichkeiten, das Projekt zu unterstützen, gesprochen.
Anna Heudorfer: Ich komme ursprünglich aus Süddeutschland und bin damit wie viele im Team des Flüchtling Magazin Neu-Hamburgerin. Wenn ich nicht beim Magazin bin, verbringe ich viel Zeit an der Uni, wo ich an meiner Dissertation schreibe. Wie kann man Studierende dazu motivieren, sich für die Zivilgesellschaft zu engagieren? Darum geht es ganz grob.
Ich war schon recht früh beim Flüchtling-Magazin dabei und habe dort verschiedene Aufgaben übernommen. Jetzt habe ich die Redaktionsleitung übernommen, dass heißt ich bin zusammen mit unserem Chefredakteur Hussam Al Zaher für die Inhalte des Magazins zuständig und für die Kommunikation mit all den Menschen, die für uns schreiben. Außerdem koordiniere ich das Schreibtandem-Projekt.

Als 2015 viele Geflüchtete nach Deutschland kamen, fiel mir immer mehr auf, dass die Diskussion um Flucht und Migration sehr polarisierend geführt wird und vor allem: dass die Menschen, um die es dabei eigentlich geht, kaum zu Wort kommen – also die Geflüchteten selbst. Ich habe deshalb ein Blogprojekt gestartet mit dem Ziel, dass Geflüchtete dort ihre Geschichten erzählen und ihre Meinung äußern können. Kurze Zeit später habe ich Hussam kennengelernt, der genau die gleiche Idee hatte und wir haben mein Projekt in das Flüchtling-Magazin integriert.
Mit dem arabischen Wort Hartna ist das gemeint, was man hier vielleicht als Wohngemeinschaft bezeichnen würde, aber in einem größeren Stil. Das kann ein Viertel oder eine kleine Siedlung sein, in der die Menschen aber nicht anonym nebeneinander her leben, sondern sich kennen und gegenseitig solidarisch unterstützen. Diese Idee wollen wir auch in unserem Magazin pflegen und haben daher diese Rubrik in unsere Website eingefügt. Darunter finden sich Artikel, die beispielsweise Projekte vorstellen, die sich um ein gutes Zusammenleben bemühen. Andere Initiativen vorzustellen ist sehr wichtig für uns, weil es zeigt, wie viele Menschen daran interessiert sind, unsere Gesellschaft gemeinsam mit Geflüchteten zu gestalten.
Wir kochen die Rezepte tatsächlich nicht regelmäßig zusammen. Das würden wir bei den vielen Aufgaben, die wir im Magazin haben, gar nicht schaffen. Doch wir feiern häufig miteinander und genießen die Küche unterschiedlicher Kulturen. Häufig mischt sich das auch. Sprachlich ist das natürlich auch eine bunte Mischung, aber wir schaffen es immer, uns zu verständigen.

Grundsätzlich gibt es keine Voraussetzungen für die Teilnahme. Die Idee dahinter ist ja gerade, dass jeder und jede am Projekt teilnehmen kann. Wir wollen so viele Geflüchtete wie möglich dabei unterstützen, Texte oder auch Videos usw. für ein deutschsprachiges Publikum zu produzieren. Ein wenig Deutsch oder Englisch ist aber natürlich von Vorteil, um sich mit dem jeweiligen Tandempartner oder der -partnerin zu verständigen. Thematisch sind die Tandems sehr frei in der Gestaltung. Es muss nicht zwingend eine Migrationsgeschichte erzählt werden. Aktuell gibt es z.B. ein Team, das eine Reportage zum Thema “Bürokratie in Deutschland” plant.
Ja, jede Menge! Wir planen zwei neue Printhefte, eines davon in Zusammenarbeit mit dem Projekt ‘Kids Welcome’. Der Plan ist, Workshops mit Kindern zu machen und daraus ein Heft zu produzieren. Außerdem wollen wir unseren Online-Auftritt verbessern und das Team soll größer werden, um all die neuen Themen und Projekte zu stemmen. Politisch ist die Diskussion um Flucht und Migration ja nach wie vor aufgeheizt – es gibt also jede Menge zu Schreiben. Zu guter Letzt wollen wir im April gemeinsam mit Media Residents einen Podcast-Workshop machen, um uns neuen Medienformaten abseits von Text zu widmen.
Dieses Interview erschien zuerst auf dem Blog von Media Residents. Media Residents ist ein Projekt von Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland und wird gefördert vom Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz. Zum Angebot von Media Residents gehören ein offener Coworking Space, Technikverleih und Workshops für alle mit Publikationshintergrund.
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