40 Jahre Offener Kanal Berlin – Von VHS-Kassetten zum ALEX Kosmos

Am 28. August 1985 flimmerten die ersten Bilder des Offenen Kanals Berlin (OKB) über die Bildschirme von West-Berlin. Was damals mit Kabelpilotprojekt, VHS-Kassetten und Magnetbändern begann, ist heute als ALEX Berlin eine moderne, crossmediale Plattform, die weit über Fernsehen und Radio hinausgeht.

40 Jahre Geschichte des Bürgerrundfunks in Berlin: das sind 40 Jahre Medien zum Selbermachen, Experimente zwischen Skandalen und Innovationen, und ein Stück Berliner Mediengeschichte, das bis heute lebendig ist.

1985–1995: Berlin bekommt einen Offenen Kanal

Mit der bundesweiten Einführung des Kabelfernsehens startet am 28. August 1985 der Offene Kanal Berlin seinen Sendebetrieb im Studio in der Voltastraße in Berlin-Wedding. Unter der Leitung von Jürgen Linke konnten Bürger:innen ohne Vorkenntnisse eigene Radio- und TV-Beiträge produzieren. Alles, was es brauchte, war ein Eintrag im Nutzerverzeichnis, ähnlich wie ein Bibliotheksausweis.

Die ersten Sendungen liefen über Kabelkanal 9 und später exklusiv auf Kanal 8. Eingereicht wurden die Beiträge ganz analog, auf VHS, Super VHS oder U-Matic-Kassetten. Auch im Radio ging es los: auf 92,75 MHz. Das Prinzip war simpel: Wer zuerst kam, bekam einen Platz im Programm.

Der Offene Kanal wurde schnell zu einem Ort für Experimente und Vielfalt. Von Call-In-Shows über spirituelle Formate bis hin zu Klassikern wie "Pfeiffers Ballhaus" war alles vertreten. Und nicht nur im Studio, sondern auch draußen in der Stadt: Mit einem VW-Bus als mobilem Studio fuhr der OKB über Berliner Straßen, auf Stadtfesten konnten sich Besucher:innen ausprobieren, und sogar auf der Internationalen Funkausstellung wurde live produziert – damals noch mit Videokassette, die per Motorrad ins Studio gebracht wurde.

1995–2005: Medienkompetenz und Debatten

Ab Mitte der 90er Jahre baute der OKB seine Rolle als Bildungs- und Lernort für Medienkompetenz aus. Workshops und Projekttage mit Schulen führten dazu, dass Jugendliche Talkshows, Kurzfilme oder Konzertmitschnitte selbst gestalten konnten. Die Sendeschiene "Jugend und Schule" ab 1997 und Projekte wie "Kids on Media" legten hier wichtige Grundlagen.

Der OKB vermittelt Medienkompetenz an junge Interessierte

Doch die 90er waren auch geprägt von Skandalen und politischen Debatten. Rechtsradikale Inhalte wie die Sendung "Radio Germania" sorgten für Schlagzeilen: von "Ekel-TV" (BZ) bis "Viel Lärm um wenig Geschmack" (Tagesspiegel). Politiker:innen diskutierten sogar über eine mögliche Abschaltung des Offenen Kanals. Am Ende setzte sich der Bedarf nach einem Bürgerrundfunk durch und das Abgeordnetenhaus sprach sich für den Erhalt aus.

Ein weiterer Meilenstein: 2003 begann der Offene Kanal mit dem Ereignisfernsehen, zeichnete Berliner Veranstaltungen auf und brachte sie direkt ins Programm.

2005–2015: Vom Offenen Kanal zu ALEX Berlin

Mit Unterstützung des Abgeordnetenhauses und der Medienanstalt Berlin-Brandenburg begann 2007 die Reform des Offenen Kanals. Ziel: den Sender fit für die Zukunft zu machen.

2007 ging Jürgen Linke in den Ruhestand, Volker Bach übernahm 2008 die Leitung. In dieser Zeit wurde die Technik digitalisiert – von DVDs und MiniDVs ging es hin zu vollständig digitalem Sendeablauf.

2009 folgte die große Neuerfindung: Aus dem Offenen Kanal wurde ALEX Berlin. Der neue Name setzte sich gegen Vorschläge wie "Tribb" oder "Polyvox" durch und brachte ein klares Profil: ein moderner Look, das Motto "Guckste. Hörste. Klickste.", ein überarbeitetes Programm und ein stärkeres Qualitätsmanagement.

Ein besonderes Highlight: Seit 2012 überträgt ALEX die Plenarsitzungen des Berliner Abgeordnetenhauses live und leistet damit einen direkten Beitrag zur politischen Transparenz in der Hauptstadt.

Der ALEX Übertragungswagen vor dem Abgeordnetenhaus von Berlin

2015–2025: Neue Räume, Pandemie und Kosmos

2017 zog ALEX in die neue ALEX Halle in der Rudolfstraße – mit Eventfläche, Radiostudio, Abnahmeraum, Schcnittplätzen und Seminarraum. Damit wurde der Sender nicht nur Produktionsort, sondern auch öffentlicher Treffpunkt für Diskussionen und Veranstaltungen.

Dann kam 2020 die Pandemie. Während vieles stillstand, verlegte ALEX seine Arbeit ins Digitale: Livestreams wurden wichtiger, neue Partner:innen kamen dazu, und Events wie die TINCON oder Teile des CSD Berlin fanden digital aus der ALEX Halle statt.

Findet 2020 mit spannenden Gästen in der ALEX-Halle statt: Die digitale TINCON

2023 setzte ALEX mit dem ALEX Kosmos ein weiteres Ausrufezeichen: eine eigene Mediathek, die alle Inhalte gebündelt und on-Demand verfügbar macht. Parallel dazu wurde ALEX Radio auf DAB+ erweitert – ein Schritt in die Zukunft, der ab 2026 den klassischen UKW-Empfang ablösen wird.

40 Jahre und kein bisschen leise

Von VHS-Kassetten und Call-In-Shows bis hin zu Livestreams, digitalem Kosmos und DAB+: ALEX Berlin hat in 40 Jahren einen einzigartigen Weg zurückgelegt. Was sich nicht geändert hat: Der Anspruch, Medien für alle zugänglich zu machen, Menschen eine Stimme zu geben und Diskurse der Stadt sichtbar zu machen.

Dieses Jubiläum wird zelebriert: Am 06. September 2025 lädt ALEX Berlin alle Interessierten zum Feiern ein. Beim Straßenfest in der Oberbaumcity warten von 14-18 Uhr Infostand, der Medienparcours der mabb, Kinderspaß,  Glücksrad und Snacks & Drinks auf die Besuchenden. Bei Führungen durch die ALEX-Halle kann man Live-Radio erleben und in einer Ausstellung vor Ort in die Geschichte von 40 Jahren Offener Kanal eintauchen. Im Stream gibt es das Live-Bühnenprogramm mit Musik, Kabarett, spannenden Talkbeiträgen und DJ-Sounds zu sehen.

Mehr Infos zum Fest zu 40 Jahre ALEX Offener Kanal Berlin gibt es hier.

 

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